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Williams-Beuren-SyndromJakob's Welt
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Viele Menschen finden den kleinen Jakob süß und erfreuen sich an seinem fröhlichen Gemüt. Doch dies ist nur eine Seite. Es gibt auch eine andere Seite, die wir nicht verschweigen möchten.
(Hinweis: Die beschriebenen Szenarien beziehen sich auf Jakob im Alter von 3 ½ Jahren.)
Jakob ist sehr offen und geht freundlich auf alle Menschen zu. Er umarmt fremde Opas beim Sparziergang im Park und legt sich im Freibad zu fremden Menschen aufs Handtuch. Dies mag zum jetzigen Zeitpunkt noch recht harmlos erscheinen. Und Jakob lächelt ja auch so süß.
Aber wie soll man einem Kind, das so gerne Kontakt zu anderen Menschen aufnimmt, erklären, dass man das nicht macht, und dass auch nicht alle Menschen nett sind?
Jakob kann sich total freuen, wenn ihm beispielsweise eine Ziege im Tierpark die Finger ableckt. Er lacht so herzlich, dass sich die anderen Besucher umdrehen und sich mit ihm freuen.
Ist Jakob aber wütend, weil er beispielsweise im Vorgarten der Nachbarn nicht in der Blumenerde wühlen darf, dann rastet er total aus. Er wirft sich auf den Boden, haut um sich, kratzt und strampelt. Wer gerade in der Nähe ist, muss sich in Acht nehmen. Noch können wir ihn einigermaßen in Schach halten, aber Jakob wird größer und kräftiger werden und wer weiß, ob er seine Emotionen einmal besser im Griff haben wird?
Fällt Jakob einmal hin, weil er beispielsweise eine Stufe übersehen hat, und man möchte ihn trösten, dann kann er dies nicht annehmen. Er ist wütend und man bekommt sogar noch eine Ohrfeige, so als ob man daran schuld wäre, dass diese Stufe im Weg war.
Wenn wir mit Jakob im Freizeitpark in der Nähe der Trampoline sind, dann läuft er zielstrebig dort hin. Sind aber noch andere Kinder am Springen und Jakob muss warten bis er dran kommt, dann ist der nächste Wutanfall schon vorprogrammiert. Während sich andere zweijährige Kinder schon brav in die Schlange einreihen, versucht Jakob an der Schlange vorbei zu gehen und auf ein Trampolin zu klettern. Hält man ihn zurück, dann rastet er aus und ist nur schwer zu bändigen. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann ist es sehr schwer ihn davon abzubringen.
Jakob isst gerne. Das ist zwar einerseits nicht schlecht, hat aber den Nachteil, dass er es nicht abwarten kann, bis das Essen fertig zubereitet ist. Wenn er hört, dass es in der Küche klappert, dann springt er auf, rennt in die Küche, möchte versuchen und kann nicht verstehen, dass es eventuell noch ein paar Minuten dauert, bis die Nudeln gar sind. Meist ist also wieder ein Wutanfall vorprogrammiert. Dies hat zur Folge, dass wir uns als Eltern inzwischen abwechseln. Einer geht mit Jakob auf den Spielplatz, während der andere zu Hause – ohne Wutanfall – kocht.
Sind wir im Freibad oder in der Stadt spazieren und Jakob entdeckt andere Leute, die gerade etwas essen, dann steht er gleich daneben und blickt die Leute hungrig an. Dies hat zur Folge, dass er häufig etwas angeboten bekommt.
„Möchtest Du auch ein Keks?“, fragen die Leute freundlich. Natürlich möchte er auch ein Keks. Dies hat den Lerneffekt, dass Jakob natürlich noch lieber zu anderen Menschen geht, denn da bekommt man ja immer was zu essen.
Im Freibad ist der Abstand zu benachbarten Handtüchern meist so kurz, dass man Jakob gar nicht so schnell aufhalten kann. Der Drang zu anderen Leuten zu gehen ist bei ihm so stark ausgeprägt, dass man ihn nur durch Festbinden daran hindern könnte.
Seit ein paar Wochen hat Jakob die Eigenschaft, spontan auf andere Kinder zuzugehen und diese einfach ins Gesicht zu hauen. Die anderen Kinder haben ihm nichts getan oder weggenommen. Vielleicht haben sie einfach nur komisch geschaut.
Wir sind jetzt zur Zeit immer sehr angespannt, wenn uns andere Kinder auf dem Spielplatz oder im Freibad begegnen und sich Jakob nähern.
Auf dem Spielplatz wird zu Beginn eines Gesprächs sehr häufig die Frage gestellt: „Wie alt ist denn ihr Sohn?“ Wenn man dann das wahre Alter nennt: „Jakob ist jetzt 3 ½ Jahre alt!“, dann verstummt meist das weitere Gespräch.
Man kann dann zwar noch ergänzen: „Er hat einen Gendefekt und ist deshalb stark entwicklungsverzögert.“ Aber manchmal hat man einfach keine Lust, jeder Zufallsbekanntschaft auf dem Spielplatz die ganze Lebensgeschichte zu erzählen. Und man möchte auch nicht zurückfragen: „Und wie alt ist ihr Kind?“
Die Frage nach dem Alter nervt zur Zeit einfach nur!
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